Nahida

weltretten Tv Bild nahidaDie AfD spricht davon, dass weniger Anglizismen benutzt werden sollten, mehr deutsche Stücke an Theatern gespielt werden sollten, mehr deutsche Lieder gesungen werden sollten.

Immer wieder wird vom Deutsch sein gesprochen und von der „deutschen Leitkultur“.

Da habe auch ich mich gefragt, was denn Deutschland ausmacht? Ich bin zu keiner Liste gekommen, wie die AfD, worüber ich auch froh bin, denn ich glaube nicht das die Nationalität unsere Identität so sehr bestimmen sollte und ich will auch nicht andeuten, dass man in Nationalitäten denken sollte. Aber wenn man darüber nachdenkt, was Deutschland ausmachen könnte, ist es dann nicht die Verbundenheit zu Flucht und vor allem zur Ausgrenzung, die vor weniger als acht Jahrzehnten noch Deutsche, wie Bertholt Brecht und Willy Brandt, vertrieben hat?

Doch es geht nicht nur um die Ausgrenzung von Flüchtlingen. Durch die kontroversen Aussagen von einigen konservativen Politikern über die Flüchtlingsthematik ist jedoch total untergegangen, wie auch andere Menschen noch immer ausgegrenzt werden. Insgesamt ist die Gesellschaft, meiner Meinung nach, zwar aufgeschlossener gegenüber Menschen „anderer“ Sexualitäten als zuvor. Jedoch stellen sich viele Politiker immer noch gegen die Gleichgeschlechtlichen Ehe. Insgesamt werden wir also schon als gleich angesehen, die gleichen Recht werden uns aber trotzdem nicht eingeräumt. Warum scheint es denn immer noch so schwer, Menschen, die nicht heterosexuell sind, auf die gleiche Stufe wie Heterosexuelle zu stellen, indem man z.B. die Gleichgeschlechtlichen Ehe einführt? Sind denn nicht alle Menschen vor dem Gesetz gleich? Sehr wenige würden öffentlich sagen, dass sie in irgendeiner Weise homophob seien, aber auf die Frage, ob diese für die Gleichgeschlechtlichen Ehe seien, kriegt man sehr unterschiedliche Antworten. Kann man denn überhaupt der Meinung sein, dass Menschen jeder Sexualität den gleichen Wert haben, ohne ihnen auch die gleichen Rechte einzuräumen?

Mir kam es in letzter Zeit so vor, als seien wir alle nie unterschiedlicher gewesen, einfach aus dem Grund weil die „Andersartigkeit“ gerade ein so großes Thema ist und stark hervorgehoben wird. Dies hat sich jedoch geändert und das auch zufälligerweise während wir an diesem Projekt gearbeitet haben.

Als wir die Interviews für unser Projekt durchführen wollten, bin ich mit Sarah und Armando mit dem Bus zur Kunstschule gefahren. Wir saßen in einem Vierer und auch gegenüber von uns saßen zwei Erwachsene, eine Frau und ein Mann. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass beide über Flüchtlinge redeten und das auch nicht in dem besten Ton. Es ging darum, das Flüchtlinge finanziell viel zu viel erhalten würden, und das es unmöglich sei, diese zu integrieren, weil diese nun mal einfach nicht zu „uns“ passen würden. Innerlich war ich schon ziemlich schockiert darüber, was diese beiden Menschen für eine Meinung hatten. Doch dann ist mir erst die Ironie der Situation aufgefallen: Während die beiden über die „Andersartigkeit“ von Flüchtlingen sprachen, saß gegenüber von eben diesen zwei Menschen ein Flüchtling. Und keiner von beiden bemerkte dies im Geringsten. Dies hat mich etwas erkennen lassen:

Manchmal denkt man, wenn man Menschen aus der Ferne betrachtet, dass sie so anders seien als man selbst. Dabei bemerkt man eben diese „Andersartigkeit“ des Menschen nicht einmal wenn man neben diesem sitzt. Ich will hiermit nicht sagen, dass ich glaube es gäbe keine Unterschiede zwischen uns allen. Die gibt es und das finde ich auch gut so. Aber ich finde uns alle verbindet so viel mehr und wir alle sind doch irgendwo gleich, selbst wenn uns Sachen wie Sexualität, Nationalität, Religion oder Hautfarbe unterscheiden. Im Endeffekt trennen uns diese Unterschiede selbst dann nicht, wenn wir nebeneinander im Bus sitzen.

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