Lisa

Lisa weltretten tvSamstagnachmittag in der Stadt. Man sieht ein schönes Oberteil, eine tolle Jeans. In der Umkleide betrachtet man sich im Spiegel, alles passt perfekt. Auch der Preis. An der Kasse wird der Einkauf bezahlt: 20 Euro. 20 Euro für ein T-Shirt und eine Jeans.

Diese Handlung ist für uns alltäglich, doch übersehen wir, dass diese für uns normale Handlung das Leben von anderen Menschen maßgeblich prägt. Wir sind froh über die günstigen Preise und greifen zu. Wir sehen das Objekt, das wir gekauft haben und das unser Leben bereichert. Die Rohstoffe und die Wertschöpfungskette werden nicht gesehen. Ebenso wie die Folgen die unser Konsum von günstig gekauften Produkten wie Kleidung mit sich bringt.

Wir übersehen oftmals, dass sich die Kleinbauern, die die Baumwolle für unsere Jeans ernten, keine Schutzkleidung leisten können um sich vor Pestiziden zu schützen. Wir übersehen, dass für die Produktion dieser Jeans etwa 8000 Liter Wasser verbraucht werden. Wir übersehen, dass Kinder unsere Jeans in Indien oder Bangladesch, für einen minimalen Lohn, zusammennähen um ihre Familie zu unterstützen und somit deren Existenz zu sichern. Wir übersehen, dass die Arbeiter elementarer Rechte und Chancen beraubt werden. Wir übersehen die Ausbeutung.

Durch unseren Konsum werden Arbeiter krank gemacht, Kinder werden mit Missbildungen geboren, sei es durch die Chemikalien bei der Produktion der günstigen Jeans, bei denen das Erbgut der Eltern erkrankt oder bei Atomkatastrophen, die durch unseren Energiebedarf ausgelöst werden. Menschen werden durch Niedriglöhne ausgebeutet. Die Umwelt wird durch Chemikalien und Pestizide geschädigt und zerstört. Auch durch Land Grabbing werden Bauern ausgebeutet. Unternehmen erwerben vor allem in Entwicklungsländern Agrarflächen. Auch hier liegt die Ursache bei unserem Konsum, Menschen verarmen und verhungern. Die meisten von uns wissen dies. Wir ändern nichts. Die meisten von uns ändern nichts, sondern es erfolgt weiterhin eine permanente Erhöhung des Bedarfs beziehungsweise der Nachfrage. Ebenso steigen unser Energieverbrauch und die Emissionen. Dazu kommt, dass wir auch kaufen, ohne die Dinge jedoch zu konsumieren. Wird die 20. Jeans im Schrank noch konsumiert? Für uns ist die Erwartung mittlerweile selbstverständlich, dass es von allem in kürzester Zeit immer mehr und immer billiger gibt. Aber kann das ewig so weitergehen?

„Wir können der Tatsache nicht ausweichen, dass jede einzelne Handlung, die wir tun, ihre Auswirkung auf das Ganze hat.“, sagte Albert Einstein. Der Kauf der Jeans am Samstagnachmittag prägt das (Über)leben vieler Menschen. Er beeinflusst auch unsere Umwelt. Alltägliche und doch so folgenreiche Entscheidungen wie „Fahre ich heute mit dem Auto oder dem Fahrrad? Nehme ich den fair gehandelten Kaffee oder den herkömmlichen?“ , haben fatale Auswirkungen auf das Ganze, auf unsere Welt, im ökologischen, ökonomischen und sozialen Sinne.

Unser Konsum ist zum Beispiel auch eine Ursache für die Flucht aus wirtschaftlichen Gründen. So werden die Märkte beispielsweise von Agrarsubventionen beeinflusst und durch die Überschussproduktion Europas verlieren lokale Produzenten ihr Einkommen. Die Menschen haben konsequenterweise keine Perspektiven und keine Chancen, sie sind aussichtslos. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein um die Flucht aus seinem Land in Betracht zu ziehen, geschweige denn anzutreten? Er gibt alles auf um zu überleben, seine Heimat, seinen Besitz. Er hofft auf Hilfe in den Ländern, die einen großen Teil zu seiner Misere beigetragen haben.

Wieso kommt es dazu, dass wir unseren Wohlstand auf Kosten anderer Länder und Völker leben? Wieso kommt es so weit, dass Menschen solches Leid widerfährt, wenn man es verhindern könnte? Die Lösungen für diese Probleme suchen wir bei anderen. Wir zeigen mit dem Finger auf andere und sagen, sie sollen den Anfang machen. Wieso machen wir den Anfang nicht gemeinsam? Viele, die etwas verändern möchten, möchten trotzdem auf nichts verzichten. Sie ändern nur die Dinge, die sie in ihren Vorlieben nicht einschränken. Andere schieben die Verantwortung von sich weil sie sich sagen, es ist weit weg, was hab ich damit zu tun? Es mag weit weg sein, doch ist es trotzdem nah. Wir sind eine Welt, ein Ganzes. Jede einzelne Handlung hat Auswirkungen auf das Ganze, unsere Welt.

 

-Lisa

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